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Artikel aus dem Jahr 2002:
Ein kleiner Beitrag
über die Geschichte des Monteverdi-Orchesters,
etwas humoristisch, sehr
persönlich!
(Wolfgang Kelber)
Versuch
einer Chronik
Sucht
man eine musikalische Gattung, die als echtes Äquivalent für zwanzig Jahre
Orchestergeschichte herhalten kann, kommt eigentlich nur die Suite mit ihrem
ureigenen Reihungsprinzip in Frage. Eine große Konzeption, geschweige denn
ein stringenter Karriereplan war niemals dabei. Man lebte „von der Hand in
den Mund“.
In unserer „Suite“ findet sich nur eine Auswahl Sätze von ca. 55
gemeinsamen Konzerten, positive wie negative „Highlights“ in der
Erinnerung des Verfassers.
Ouverture
1982,
Oktober (Dr. Helmut Kohl wird Bundeskanzler!)
Monteverdi,
Marienvesper
in Nürnberg und München
Wir
versuchten, damals noch voll von ideologischem Sendungsbewusstsein, nach den
Faksimiles der Originaldrucke zu spielen!
Rejouissance
1983,
Juli
Bach,
h-moll-Messe
in München, Christuskirche
Vorher
eine Podiumsdiskussion in der Musikhochschule, in der der Verfasser einem
prominenten „Münchner Bachinterpreten“ auf die Frage, wäre Bach nicht
mit den heutigen Instrumenten viel glücklicher gewesen, die Gegenfrage
stellt: „Was hätte Ludwig XIV. gemacht, hätte er die Atombombe gehabt?“
- Dieser jugendliche Elan, man sehnt sich manchmal wieder danach!
Gavotte
1984,
Juli
Bach, Kantaten BWV 4, 127, Motette „Singet dem Herrn“
in der wunderschönen Kirche in Aufkirchen am Starnberger See.
N.B.: Kein Geld!
Sarabande
1985,
21.März, also an Bachs 300. Geburtstag!
Bach, Johannespassion in Regensburg, Audimax, München, St. Markus
Die
SZ-Kritik schreibt „von der religiösen Botschaft der historischen
Instrumente“. Beiläufig erwähnt, der Kritiker ist nicht von der Zunft,
sondern Robert Leicht, damals leitender politischer Redakteur bei der SZ, später
Chefredakteur der „Zeit“.......
Air
1986,
März
Bach, Matthäuspassion in Regensburg, Audimax und München,
Herkulessaal
Die
Kritik der SZ versagt uns den Besuch, verschweigt auch die Aufführung in
einem „Rundumschlag“ über alle Passionsaufführungen in München......
Eines der Konzerte, an das ich am liebsten zurückdenke, mit einem jungen Nico
van der Meel als unglaublich überzeugendem Evangelist. Der Dirigent konnte
sich aus dem Überschuss der Einnahmen (!) einen Casettenrecorder kaufen.
Pavane
1986,
November
Schütz, Opus ultimum in München, St. Markus
Ohne
Geld, aber mit viel Arbeit verbunden: Einige Musiker bekämen bis heute noch
ein Honorar!
Menuett
1987,
Juli
Bach, h-moll-Messe in Regensburg, Audimax und München, Herkulessaal
Prominente
Solisten, (u.a. Emma Kirkby, Rufus Müller)
Nun schlägt die Kritik zu: Der erklärte Intimfeind der Alten Musik in der SZ
wütet u. A. über unsaubere Intonation und magelndes „Flehen“ am Beginn
des Kyrie......
N.B. Es war eine schöne Produktion, nur leider furchtbar defizitär!
Danza
alla Sassonia
1988,
Juni
Bach, Oster- und Himmelfahrtsoratorium in Dresden, Freiberg, Thalbürgel
Schon
vor der Wende waren wir drüben, nachher nur noch sehr
sporadisch, da kamen dann andere. Die zwei Oboisten (Alfredo Bernardini und
Peter Frankenberg) binden sich während eines Konzertes im ehrwürdigen
Freiberger Dom die Schnürsenkel
ihrer Schuhe zusammen!
Die Kreuzkirche in Dresden, die „Höhle des Löwen“. Historische
Instrumente in der DDR?
- Die Kritiker dort fanden’s jedenfalls gut!
Kasatschok
1989,
Juli
Bach, h-moll-Messe in Minsk, Kiew, Moskau
Dank
des unermüdlichen Einsatzes von Uta Riemerschmid fahren HSE und Monteverdi
Orchester für eine Woche in die Sowjetunion. (Noch ein Auslaufmodell)
Endlose Bahnfahrten in der Nacht, aber ungeheuere Eindrücke aus den großen
Zentren.
Pieter Affourtit spielt zum ersten Male mit! - Wir müssen in Moskau an einem
Sonntag zweimal mit der Messe auftreten; nach 13 Jahren kann man es ja erzählen,
ohne rot zu werden. Es saßen im Publikum einige echte Bach-Spezialisten!
Valse:
10 Jahre Kreisen und Drehen um Bachs
Kantaten
1990,
Mai, München, St. Markus
Bach, Kantaten BWV 6, 67, 68
Hier
beginnt eine Idee zu reifen, die dank eisernen Willens immerhin zehn Jahre überlebt:
Bach
Kantate Aktuell: 80 Kantaten von Bach, in
zehn Zyklen mit insgesamt 25 Konzerten. Ab 1995 nimmt der Bayerische Rundfunk
die Konzerte auf. Der ewige Walzer kostet Kondition, Geld, Nerven!
Als
Vorlauf: 1990, Dezember
Weihnachtsoratorium, dann zwei bis drei Konzerte pro Jahr
Trotzdem
gibt es dazwischen einige „Ausbrecher“, u.a.:
Contredanse
I
1994,
Juni
Mozart: Wir
spielen mit Christoph Hammer im
Prinzregententheater:
Klavierkonzert KV 459 und die Prager Sinfonie KV 504.
Jig
1995,
Juli, Herkulessaal
Henry
Purcell: „The Fairy Queen"
Wie
immer im Juli furchtbar heiß! (Sweat
gets in my eyes)
Contredanse
II
1998,
Juli
Haydns
„Schöpfung“ als Hommage an die Uraufführung 1798 in Wien
und an das Heinrich Schütz Ensemble, das immerhin schon 20 Jahre ist.
Dann:
Der letzte
Walzer
2000,
Juli – Abschluss „Bach
Kantate Aktuell“
Kantaten
BWV 82 (Ich habe genung),
BWV 52 (Falsche Welt, dir trau ich nicht),
BWV 187 (Es wartet alles auf dich)
Irgendwie passen die Titel!
Hornpipe
2001,
Oktober
Händels
„Samson“
in München, St. Markus
Ein
Vermächtnis des Dirigenten. 20 Jahre zuvor, im Oktober 1981 hatte er eine
abenteuerliche Produktion mit diesem Werk geleitet. Deshalb: Wiedergutmachung
und höchste Zufriedenheit meinerseits.
Forlana
2002,
1. Dezember
Monteverdi,
Marienvesper
Das
20-jährige Jubiläum: Welch ein Unterschied zu damals!
Mein
Dank geht an verdiente Musikerinnen und Musiker, von denen ich viel gelernt
habe, mit denen ich mich manchmal auch wunderbar gestritten habe. Diese Liste
erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!
Pieter Affourtit, Violine - Renée Allen, Horn -
Alfredo Bernardini, Oboe - Christian Beuse, Fagott - Klaus Bundies,
Viola - Gerhart Darmstadt, Cello - Dr. Jürgen Eppelsheim, Fagott
– Ann Fahrni, Violone – Ulrike Fischer, Violine - Peter Frankenberg, Oboe -
Enrico Gatti, Violine
- Hartwig Groth, Gambe - Lothar Haass,
Viola - Andrew Hale, Horn - Christoph Hammer, Orgel, Cembalo, Pianoforte – Theresia Hanke, Violine - Hans Huyssen Cello
und Komposition - Rudolf Kelber,
Orgel - Hans Koch,
Violone - Andreas Lackner, Trompete - Ingrid Lampe, Violine - Günther Luderer, Violine - Ulrike Neukamm, Oboe -
Graham Nicholson, Trompete - Rhoda Patrick, Fagott
- Andreas Pilger, Violine - Eva
Praetorius, Flöte - Marianne Ronez, Violine
- Martin Sandhoff, Flöte - Claudia Schwamm, Violine,
Organisation - Heinz Schwamm, Viola - Anette Sichelschmidt, Violine
- Annegret Siedel, Violine - Anton Steck, Violine - Hendrike ter
Brugge, Cello - Peter Thalheimer, Flöte - Mechthild Werner, Violine
- Hans-Peter Westermann, Oboe – Roland Wilson, Zink
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